*idole unter sich  
von Burkhard Meier-Grolman


 

Mick Jaggers Grinsen wirkt in der Verzerrung noch frecher, unverschämter, Mona Lisa gebärdet sich wie im Tiefkühlschock, ihr Lächeln ist total eingefroren. Der Tod, auf der Leinwand eine ins Riesenhafte vergrößerte Furie, beginnt zu rasen, wie eine aasgierige Hyäne schiebt er den Schädel nach vorne. Auf einem anderen Bild verwandelt sich der Sensenmann in eine tanzende Marionette, Marilyn könnte John F. Kennedy küssen, Idole unter sich, Bertram Bartl, der Maler und Zeichner, der KirkebySchüler mischt sich ein, er will den glänzenden Lack der High-Culture-Welt wegkratzen, die glatte Ästhetik, die den Kunstmarkt heute beherrscht, passt ihm nicht, Malerei muß spannend sein, hat doch mit Emotionen zu tun, unter der Farboberfläche darf es brodeln und kochen, innere Bewegung soll rüberkommen, ein neuer Expressionismus oder wie immer man will, wird ausgerufen.

Und Bertram Bartl will auch in die feine Computerwelt einbrechen, Künstlerzeichnung, Bildschirm, Staffelei, Leinwand, Siebdruck sind ihm eins, mit allen Mitteln will er elementare menschliche Situationen ansteuern, Aggression, Triebhaftigkeit, Leidenschaft, der Charme des Horrors, Porno, Körperverletzung, alles soll sein.

Was Bertram Bartl auf solche Art und Weise transportiert: Anwürfe, Beschimpfungen, ernsthafte Gespräche, Rechthabereien, Beißorgien, Zähnefletschen, Liebkosungen, Haßtiraden, geifernde Monologe, penetrantes Anschweigen, bedrohliche Gebärden, Gewalttätigkeiten, andere Deformationen.

Versagt dabei die Zeichnung, kommt die Malerei an ihre Darstellungsgrenze, geht Bartl an den Bildspeicher, wohlgedrechselte Profile der Alltagsbürger verwandeln sich unter der Computertastatur in wutschnaubende, häßliche Fratzen. Die Gefühls-Innereien werden nach außen gestülpt, durch ganz bewußte und gezielte Verzerrung werden unsere Charaktermasken zur Kenntlichkeit entstellt, Bertram Bartl entwickelt Bildgeschichten in Comic-Manier, es sind hochexplosive, hochdramatische Schnappschüsse, es ist purer Expressionismus hoch zwei oder besser hoch drei.

Zur Übersichtsseite

 
    neoarchaik (seit 2001)
    totentänze (1991-2000)
    bilder (1991–2001)
    *bilder (1985–1990)
    plastiken im öffentlichen raum
    interaktive computerkunst

    biografie / ausstellungen
 
   e.mail      impressum      copyright